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27. Februar 2010 Abschluss der Kampagne: 125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz erinnern - aufarbeiten - wiedergutmachen
Fast auf den Tag genau 125 Jahre nach der Unterzeichnung der "Generalakte" von Berlin kamen am 27. Februar 2010 etwa 300 Menschen zum Abschlussprogramm der gut dreimonatigen Kampagne zusammen. Schon um 11:00 Uhr vormittags versammelten sich die Teilnehmenden im Zirkus Cabuwazi zur feierlichen Umbenennung des Berlin-Kreuzberger Gröbenufers in May-Ayim-Ufer.
Nach den Begrüßungsworten des Bezirksbürgermeisters Franz Schulz hielt Kampagnensprecher Armin Massing vom Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag (BER) seine Eröffnungsansprache. Dabei strich der Redner heraus, dass hier in Kreuzberg nun zum „ersten Mal in Deutschland [...] der Name eines Akteurs des Kolonialismus auf einem Straßenschild [...] durch den Namen einer Person" ersetzt werde, "die sich kritisch mit Kolonialismus und Rassismus auseinandergesetzt und gegen deren Folgen gekämpft hat“. Der Redner dankte allen Aktiven und Unterstützer der vom BER koordinierten Berliner Initiative, deren Dossiers zum Thema den entscheidenden Anstoß zu dieser nachahmenswerten Umkehr der Erinnerungsperspektive gegeben hatte.
Redebeitrag von Kampagnensprecher Armin Massing, BER (PDF, 44KB) Dossier zu den kolonialen Straßennamen in Berlin (PDF, 232KB)
Im Anschluss sprach die Vorsitzende des Kulturausschusses der BVV Kreuzberg/Friedrichshain, Elvira Pichler (Bündnis 90/Die Grünen), die sich auf bezirkspolitischer Ebene für die Umbenennung besonders engagiert hatte. In ihrer Rede betonte sie, dass die Entscheidung zur Umbenennung des Gröbenufers in May-Ayim-Ufer nicht als willkürlicher Verwaltungsakt missverstanden werden dürfe. Denn dem Beschluss, so Elvira Pichler, ging ein langer und intensiver Diskussionsprozess in den Fraktionen, Komitees, Ausschüssen und Versammlungen des Stadtbezirks voraus. Erst dann und nach reiflicher Überlegung kam die übergroße "Mehrheit der Verordneten zu dem Schluss, dass heute in Kreuzberg keiner mit einer Straßenbenennung geehrt werden sollte, der im Kaiserreich und noch bis in die NS-Zeit hinein <...> als Symbol der Anfänge kolonialer Bestrebungen diente" und "zumindest die materiellen Voraussetzungen für den Sklavenhandel der Kurbrandenburger legte".
Seinen emotionalen Höhepunkt erreichte der Festakt während des Beitrages von ManuEla Ritz, die Teile aus dem multimedialen Bühnenstück "Homestory Deutschland - Gelebt-Erlebte Schwarze Deutsche Geschichte(n)" mit Gedichten von May Ayim vortrug. Das Publikum, unter dem sich auch zahlreiche Menschen befanden, die May Ayim nahe gestanden hatten, war sichtlich bewegt und dankte mit lang anhaltendem Applaus.
Gegen 12:30 Uhr schließlich enthüllte Bezirksbürgermeister Schulz unter großem Beifall und Jubel das neue Straßenschild. Im Sommer 2010 wird an der Ecke Bevernstraße/May-Ayim-Ufer eine Gedenkstele errichtet werden, die ausführlich über den historischen Kontext und die Gründe für die Umbenennung informiert.
Im Anschluss an die Umbenennungsfeier begann der traditionelle Gedenkmarsch für die Opfer von Sklaverei, Sklavenhandel, Kolonialismus und Rassismus, der alljährlich vom Komitee für ein afrikanisches Denkmal in Berlin (KaDiB) organisiert wird. Der Zug führte vom May-Ayim-Ufer über die Oranienstraße zur Wilhelmstraße im Bezirk Berlin-Mitte.
An der Gedenktafel für die Berliner Afrika-Konferenz in der Wilhelmstraße hielten die Teilnehmenden eine Schweigeminute für die Opfer des Kolonialismus. Dann setzte sich der Zug in Richtung Brandenburger Tor in Bewegung, wo Marsch und Kampagne ihren Abschluss finden sollten.
Hier sprachen Moctar Kamara, 1. Vorstand des Afrika-Rats Berlin-Brandenburg und Koordinator von KaDiB, sowie der aus Paris angereiste Koordinator des Weltrats der Panafrikanischen Diaspora, Professor Kapet de Bana. In ihren Reden forderten sie Europa nachdrücklich auf, die historische Verantwortung für die Verbrechen des Kolonialismus zu übernehmen und ideelle sowie materielle Wiedergutmachung zu leisten.
Abschließend zog Kampagnensprecher Christian Kopp von Berlin Postkolonial Bilanz. Im Namen der Bündnisgruppen dankte er allen Unterstützern und Unterstützerinnen, die mit ihrem großen ehrenamtlichen Engagement ermöglicht hätten, dass der Konferenz und ihrer Folgen nicht nur in Berlin sondern bundesweit und in einer breiteren Öffentlichkeit gedacht wurde. In seiner Rede strich Christian Kopp noch einmal die besondere historische Bedeutung der Berliner Afrika-Konferenz heraus. Ungeachtet ihrer - umstrittenen - direkten Folgen, so der Redner, würde sie zu Recht als Symbol für den militanten Kolonialismus der Europäer stehen. Das Treffen der Kolonialmächte könnte nur als zutiefst Menschen verachtender und entwürdigender Akt geistiger Gewalt gegenüber Afrika interpretiert werden: Umso schärfer müsse man daher mit der Bundesregierung ins Gericht gehen, die sich am Gedenken nicht beteiligt und sich auf beschämende Art und Weise aus ihrer historischen Verantwortung gestohlen hätte.
Redebeitrag von Kampagnensprecher Christian Kopp (PDF, 78KB)
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