Pressemitteilung

 

Berliner Grenzen: Kampagne zum 125. Jahrestag der Berliner Afrika-Konferenz beginnt

 

Berlin, 29. Oktober. Erinnern, aufarbeiten, wiedergutmachen – unter diesem Motto hat sich ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis formiert, das an den 125. Jahrestag der Berliner Afrika- oder Kongo-Konferenz 1884/85 und die Aufteilung Afrikas unter den europäischen Kolonialmächten erinnert. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, Vertreter von SPD, Linken und Grünen, Gewerkschafter und Prominente fordern einen grundlegenden Wandel in Deutschlands Erinnerungspolitik. Dazu gehören vor allem eine kritische Aufarbeitung der Verbrechen des deutschen Kolonialismus und Rassismus sowie eine breite öffentliche Diskussion über angemessene Formen ihrer ideellen und materiellen Wiedergutmachung.

 

Die Kampagne beginnt mit einer Demonstration am Sonntag, 15. November 2009 um 14:00 Uhr an der Gedenktafel zur Berliner Afrika-Konferenz in der Berliner Wilhelmstraße 92. In den folgenden drei Monaten – der Zeitraum der historischen Konferenz – werden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen durch die Bündnis- und Unterstützergruppen organisiert. Zum Abschluss der Kampagne wird am 27. Februar 2010 ein Gedenkmarsch für die zahllosen Opfer von Sklaverei, Sklavenhandel und Kolonialismus stattfinden.

 

„Rassismus und Diskriminierungen von Menschen afrikanischer Herkunft stehen im direkten Zusammenhang mit dem Kolonialismus. Auf der Konferenz wurden willkürliche Grenzziehungen in Afrika vorbereitet, die bis heute fatale Folgen haben“, so Sven Mekarides, Generalsekretär des Afrika-Rats Berlin-Brandenburg und Sprecher des Bündnisses.

 

„Deutschland trägt die historische Hauptverantwortung für das Zustandekommen und die Beschlüsse der Berliner Afrika-Konferenz. Die Konferenz fand nicht zufällig in Berlin statt: Sie diente der Anerkennung deutscher Kolonialansprüche“, sagt Christian Kopp, Historiker vom Verein Berlin Postkolonial. „Auf der Konferenz wurde erstmals von den europäischen Staaten ein ‚Entwicklungsauftrag’ gegenüber Afrika formuliert. Eine kritische Reflexion dieser als Wohltat ausgegebenen Interessen- und Machtpolitik ist bis heute dringend nötig“, so Armin Massing vom Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag.